Tagung BNE in Kommunen verankern

Tagung Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kommunen verankern

Nachhaltige Entwicklung geht nicht ohne Bildung

von Thomas Ködelpeter, Ökologische Akademie e.V.

In Pegnitz trafen sich Ende Oktober rund 50 Akteur_innen aus der Kommunalpolitik, der Begleitung von regionalen Nachhaltigkeitsprozessen, der Bildungs- und entwicklungspolitischen Arbeit und der Wissenschaft. Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kommunen verankert werden kann. Die Veranstaltung der mit dem Qualitätssiegel Umweltbildung.Bayern ausgezeichneten Ökologische Akademie e.V., Linden wurde von namhaften Kooperationspartnern unterstützt. Darunter waren der Bayerischen Städte- und Gemeindetag, das Kompetenznetzwerk Bayern Regional, der Bayerischen Volkshochschulverband, die Universität Bayreuth, die ANU Bayern, das Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung in Bayern und RENN.süd sowie das Evangelische Bildungs-und Tagungshaus Bad Alexandersbad. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt-und Verbraucherschutz förderte die Veranstaltung. Kommunen kommt, so Thomas Ködelpeter (Ökologische Akademie e.V.), in der Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle zu. Jung und Alt erfahren vor Ort unmittelbar die Folgen nicht nachhaltiger Wirtschaftsweisen und Lebensstile und zugleich gibt es in den Kommunen viele Möglichkeiten an der Gestaltung eines „Guten Lebens für Alle“ mitzuwirken. Für Marion Loewenfeld von der Arbeitsgemeinschaft Natur-und Umweltbildung (ANU) Landesverband Bayern e.V., ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein wesentliches Element der Agenda 2030 und eine erstrangige Aufgabe für Kommunen, die Kompetenzen der jungen und älteren Einwohner_innen zur Gestaltung der nachhaltigen Entwicklung zu fördern. Unterstützung erfahren die weltweiten Vereinbarungen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit durch die Enzyklika Laudatio Si von Papst Franziskus, wie Dr. Joachim Twisselmann (Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad) in seiner Begrüßung hervorhob.

Wer auf gute Beispiele nachhaltiger kommunaler Entwicklung hoffte, wurde bei Thomas Herker, dem 1. Bürgermeister der Stadt Pfaffenhofen fündig. Pfaffenhofen bekam nicht nur 2013 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis verliehen und gewinnt seinen Strom zu 100% aus lokaler Produktion sondern verabschiedete 2017 eine Nachhaltigkeitsstrategie mit Schwerpunkten in den Sustainable Development Goals (SDGs) Hochwertige Bildung (SDG 4), Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (SDG 8), Nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11), Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster (SDG 12), Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13) und Leben an Land (SDG 15). In der Bildungsarbeit werden Schulen und Kindergärten mit Klimaschutzgutscheinen unterstützt und dadurch verschiedenste Umwelt-und Klimaschutzprojekte ermöglicht. Bei der Bodenallianz „Das Pfaffenhofener Land nachhaltig gestalten“ spielen die Kommunikation mit den Landwirten, der ökologische Landbau und die Partizipation in der Bürger-Werkstatt eine zentrale Rolle.
Die Ursachen für die erfolgreiche Pfaffenhofener Entwicklung sieht Prof. Dr. Manfred Miosga (Universität Bayreuth) in vier Kriterien: der guten Ressourcenausstattung, der breiten politischen Unterstützung, einer qualifizierten Verwaltung und dem strategischen Ansatz mit begleitendem Monitoring. An Stelle der nicht-nachhaltigen Normalität mit einem Wohlstandsmodell, das jeden Tag größeren Schaden anrichtet, stellte Miosga in seinem Referat eine kulturelle und systemische Transformation vor. Das von der Abteilung Stadt-und Regionalentwicklung der Universität Bayreuth initiierte „forum 1.5“ verfolgt die Idee eines gemeinsamen Lernorts zur Gestaltung von Transformationsprozessen in der Region Bayreuth. Akteure aus Wissenschaft, lokaler Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft arbeiten hier zusammen an der Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels des Pariser Abkommens.
Dr. Jasmin Jossin vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU), Berlin stellte Ergebnisse aus einer Untersuchung des Instituts vor, in der die Praxis der BNE-Verankerung in deutschen Kommunen unter die Lupe genommen wurde. Was unter gelungener Verankerung von den befragten Expert_innen verstanden wird ist meist Ergebnis eines individuellen Prozesses und sehr stark lokalspezifisch geprägt.

In einer Podiumsdiskussion mit Maria Regensburger (Regionalmanagerin Amberg-Sulzbach), Dr. Michael Rittershofer (Projektmanager der Öko-Modellregion Isental), Monika Arzberger (Trainerin in der Schule für Dorf-und Regionalentwicklung, Kloster Plankstetten) und Dr. Christian Wolf (SG-Leiter für Energie-und Klimaschutz im LRA München-Land) dominierten Wünsche nach mehr Klarheit über Bildung für nachhaltige Entwicklung, nach einschlägigen Fortbildungsangeboten sowie Informationen über Wirkungen von und Fördermittel für BNE-Aktivitäten. Ein von Danielle Rodarius und Julia Stanger (RENN.süd) moderierter Open Space zur Frage „was brauche ich, um BNE in meiner Kommune zu verankern“, brachte alle Teilnehmenden ins Gespräch. In selbstorganisierten thematischen Runden ging es um den Umgang mit Nachhaltigkeitsleugnern, Formen von Beteiligung in Nachhaltigkeitsprozessen, den als sperrig empfundenen Begriff Bildung für nachhaltige Entwicklung oder um Ideen, wie man BNE zur Chefsache machen kann.

Das Signal der Pegnitzer Tagung, Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker in die verschiedenen lokalen und regionalen Veränderungsprozesse zu integrieren und kooperativ zusammen zu arbeiten, findet seine Fortsetzung in einer dreiteiligen Qualifizierungsreihe „Nachhaltige Entwicklung ermöglichen und organisieren“.